Mitgliedschaft/WikiversumAusgabe02

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Wikiversum bietet vierteljährlich Informationen über die vielen Facetten des Freien Wissens, die Arbeit Wikimedia Deutschlands und Termine für anstehende Veranstaltungen. Der Name “Wikiversum” soll dabei die Vielfalt an Themenfeldern und Projekten widerspiegeln, mit denen sich Wikimedia als Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens beschäftigt. In der ersten Ausgabe haben wir über die Enthüllung des Wikipedia-Denkmals berichtet. Diesmal geht es um den größten deutschen Programmierwettbewerb mit Kulturdaten: Coding da Vinci. Lesen Sie jetzt, wie Freiwillige aus digitalen Datensätzen von Kulturinsitutionen tolle Anwendungen programmieren.



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Raus in die Welt! Foto: brett jordan, CC-BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons



Kultur will raus!

Von den gesammelten Kunstschätzen der Menschheit kann immer nur ein Bruchteil gleichzeitig in Ausstellungen gezeigt werden. Die meisten dieser Schätze liegen in den Archiven von Museen, Bibliotheken und anderen Kulturinstitutionen verborgen. Viele davon auch schon in digitaler Form. Neben hochaufgelösten Scans von Gemälden alter Meister können das beispielsweise auch digitalisierte Schriftstücke, Übersetzungen oder tausende von Audio-Dateien mit Tierstimmen sein.
Damit diese Datenschätze nicht brach liegen, hat Wikimedia Deutschland gemeinsam mit Partnerorganisationen 2014 den größten deutschen Programmierwettbewerb mit Kulturdaten ins Leben gerufen – Coding da Vinci. Im letzten Jahr verwandelten bei diesem Kultur-Hackathon 150 Programmierbegeisterte in nur zehn Wochen diese digitalen Schätze in neue Anwendungen, mobile Apps und Spiele.

Dazu stellten namhafte Institutionen wie z. B. das Museum für Naturkunde Berlin, das Steinheim Institut für deutsch-jüdische Geschichte Essen und das Landesarchiv Baden-Württemberg einige ihrer digitalisierten Kulturdaten für den Wettbewerb zur freien Verfügung. Insgesamt 16 Institutionen “spendeten” teils enorm große Datensätze: Da kam allerhand an digitalen Kulturschätzen zusammen.

Gemeinsam mit den Partnerorganisationen Deutsche Digitale Bibliothek, Servicestelle Digitalisierung Berlin und der Open Knowledge Foundation Deutschland lud Wikimedia Deutschland engagierte Freiwillige aus der Design- und Programmierszene ein, sich diese Schätze anzusehen und mit ihnen zu experimentieren. An einem Wochenende im April letzten Jahres trafen sich 150 Entwickler und Entwicklerinnen und tauschten ihre Ideen dazu aus, was man mit diesen Daten alles anfangen kann. Ganz der kollaborativen Arbeitsweise der Wikipedia entsprechend, fanden sie sich zu Gruppen zusammen. Innerhalb der zehnwöchigen Arbeitsphase trafen sie sich in ihrer Freizeit und programmierten mit den Datensätzen Apps oder schrieben an den Codes für neue Webseiten und Spiele, die sie anschließend auf der Abschlussveranstaltung präsentierten. So wurden aus den Kulturdaten tolle neue Anwendungen entwickelt, die es ohne Coding da Vinci nie gegeben hätte.

Aus dem Tierstimmenarchiv des Naturkundemuseums und Informationen aus der Wikipedia wurde beispielsweise der zzZwitscherwecker, der Schlafende morgens mit lautem Vogelgezwitscher aus den Federn holt. Um diese Wecker-App auszuschalten, muss das Zwitschern aus vier Vorschlägen dem richtigen Singvogel zugeordnert werden. Nur bei der richtigen Antwort geht der Wecker auch aus.

Ein anderes Beispiel ist die entstandene Webseite Verbrannte und Verbannte, die sich der Liste der zwischen 1938 und 1941 von der „Reichsschriftkammer“ erstellten verbannten Bücher widmet. Die Webseite zeigt nicht nur verschiedene grafische Analysen an, sondern stellt auch die Lebensläufe der beiden betroffenen Autoren Annette Kolb und Erich Kästner dar.

Auf der Abschlussveranstaltung im Juli wurden aus den 17 neu entstandenen Projekten und Anwendungen fünf mit Preisen ausgezeichnet. Gewinner sind aber nicht nur die Ausgezeichneten, sondern Alle, denn die gespendeten Daten stehen unter freien Lizenzen und können somit rechtssicher weitergenutzt werden.

Kultur und Programmierbegeisterte finden bei Coding da Vinci perfekt zusammen. Denn die Freiwilligen konnten hochwertige Kulturdaten nutzen, die sonst nicht oder schwer zugänglich waren. Die Kulturinsitutionen gewinnen neue Formen der Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit, indem alle die entstandenen Anwendungen kostenlos nutzen können.

So funktioniert Coding da Vinci - das Video von 2014

Aber was hat das mit Freiem Wissen zu tun? Aus den Kulturdaten sind Anwendungen und neue Informationsseiten entstanden, die allen zur freien Weiterverwendung stehen. Und das alles in einem offenen, kollaborativen Prozess – ganz so wie bei Wikipedia. So wurde aus diesen Daten Freies Wissen, das für alle nutzbar ist.

Nach dem erfolgreichen Start 2014 findet der Programmierwettbewerb mit Kulturdaten auch in diesem Jahr wieder statt – und wird noch größer. Am 25. und 26. April startet Coding da Vinci 2015 in Berlin: Museen, Bibliotheken, Galerien, Archive, kurz die Kulturinstitutionen stellen ihre Daten vor, Freiwillige entwickeln Ideen und finden Mitstreiter. Dann geht es in die heiße Entwicklungsphase – bis zur Präsentation und Preisverleihung für die besten Projekte am 5. Juli 2015. Wer Interesse hat, ist herzlich willkommen mitzumachen!

Wer nicht selbst entwickeln, aber das Projekt unterstützen möchte, kann mittels der Crowdfunding-Kampagne bei Startnext helfen. Die gespendeten Daten müssen vereinheitlicht werden, damit sie nutzbar sind und tolle Ideen entstehen können. Das kostet Zeit und Geld. Ein Video erklärt in 3:33 Minuten, worum es bei der Kampagne genau geht.


Wikimedia: eine weltweite Bewegung
Wikimedia ist eine weltweite Bewegung, die sich für die Idee des Freien Wissens einsetzt. Alle Wikimedia-Projekte, wie zum Beispiel Wikipedia, werden von der gemeinnützigen Wikimedia Foundation mit Sitz in San Francisco, USA, betrieben. Über 40 unabhängige Länderorganisationen unterstützen die Wikimedia-Projekte vor Ort. Als gemeinnütziger Verein ist Wikimedia Deutschland die älteste und größte Länderorganisation.

Wikipedia und Wikimedia: Vom offenen Projekt zur offenen Gesellschaft
Wikipedia ist mehr als eine Webseite. Sie ist Teil unseres Alltags geworden. Millionen Menschen lesen die freie Enzyklopädie, tausende arbeiten täglich ehrenamtlich mit. Sie verändern, korrigieren oder ergänzen Artikel in fast allen Sprachen der Welt – frei zugänglich und frei nutzbar. Wikimedia Deutschland unterstützt die Menschen hinter Wikipedia und ihre Ideen. Wir fördern Infrastruktur, Treffen oder Workshops. Wir vergeben Stipendien, ermöglichen Projekte und bieten technische Hilfe an. Wikimedia Deutschland fördert aber auch den Grundgedanken jenseits der Enzyklopädie: Unser Ziel ist es, dass Freies Wissen Teil unseres Alltags wird. Wir wollen, dass kollaboratives Lernen mit frei nutzbaren Inhalten in Klassenräumen und Hörsälen selbstverständlich wird. Wir wollen, dass diese Art zu arbeiten kein gesellschaftliches Nischenthema bleibt. Wir überzeugen Museen, Wissenschafts- und andere Kulturinstitutionen davon, ihre Inhalte als Vorreiter freizugeben. Wir fordern sichere gesetzliche Rahmenbedingungen dafür, dass Projekte wie Wikipedia auch in Zukunft entstehen können.

Hinter diesen Zielen steht die klare Überzeugung, dass sich Freies Wissen nicht auf einzelne Themenfelder begrenzen lässt.


Veranstaltungen

Wikimedia Deutschland führt regelmäßig unterschiedliche Veranstaltungen rund um Freies Wissen durch, zu denen Interessierte herzlich eingeladen sind. Darüber hinaus unterstützt der Verein auch Treffen, bei denen Freiwillige beispielsweise gemeinsam an Wikipedia-Artikeln schreiben. Der Veranstaltungskalender informiert über anstehende Termine.

Aktueller Veranstaltungskalender


Neben dem kalendarischen Überblick finden Sie im Folgenden weiterführende Informationen zu ausgewählten Veranstaltungen in den kommenden Wochen.

Mitgliederversammlung

Zweimal jährlich findet eine Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland e. V. statt. Sie ist das oberste Organ des Vereins und entscheidet über grundsätzliche Fragen und Angelegenheiten. Die Vereinsmitglieder beschließen beispielsweise den Jahresplan und wählen das Präsidium. Die nächste Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland findet am 18. April in Köln statt. Vereinsmitglieder erhalten Anfang März eine Einladung zugesandt.

Stammtische der Wikipedianer

Derzeit gibt es in über fünfzig deutschen Städten regelmäßig stattfindende Stammtische der Wikipedianer. In geselliger Runde werden dort die aktuellen Entwicklungen besprochen und der neueste Klatsch aus der Community berichtet.

Auch wer neu bei der Wikipedia ist, kann sich hier Ratschläge holen und Kontakte knüpfen. Ort und Zeit der Stammtische in der Übersicht

Das ABC des Freien Wissens

Unter dem Veranstaltungstitel Das ABC des Freien Wissens stellen wir Fragen zur vernetzten Gesellschaft. Im Vordergrund stehen relevante kultur- und netzpolitische Themen mit Bezug zur Wiki-Welt. Am 26. März wird das Thema G=Grundeinkommen. Eine Antwort auf die digitale Krise des Urheberrechts? beleuchtet. Es diskutieren Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Adrienne Goehler, Kultursenatorin a.D. und Autorin, Ilja Braun, Autor und Journalist, Michael Bohmeyer, Gründer mein-grundeinkommen.de über Fragen wie: Welche Stellschrauben würden sich mit der Einführung einer sozialen Grundsicherung etwa für urheberrechtliche Reglungen, kreative Arbeit und die Zukunft des Ehrenamts ändern? Böte das Grundeinkommen eine versöhnende Alternative zum Konflikt zwischen analogem und digitalem Zeitalter?

Weitere Informationen zur Reihe, vorangegangenen Terminen sowie zur Video-Dokumentation finden Sie hier

Monsters of Law

Die Veranstaltungsreihe Monsters of Law widmet sich juristischen Fragen rund um Freies Wissen. Fachleute geben eine ca. 30-minütige Einführung in ihr Thema. Danach ist Raum für Fragen und Diskussionen. Am 05. März spricht Jan Mönikes, Rechtsanwalt und Experte für Urheber-, Medien- und IT-Recht, bei Wikimedia Deutschland über die heutige rechtliche Situation und mögliche Veränderungen der Haftung für die deutschsprachige Wikipedia.



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