Politik und Gesellschaft

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Freies Wissen entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern bedarf neben des Engagements von Einzelnen auch günstiger gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Der Bereich Politik und Gesellschaft hat einerseits die Aufgabe, zu den Kernthemen Wikimedia Deutschlands einen Dialog mit politischen Akteuren zu etablieren und Partner in der Zivilgesellschaft zu finden. So setzen wir uns zum Beispiel für eine stärkere Gemeinwohlorientierung in einem modernen Urheberrecht ein. Zum anderen wirbt der Bereich für ein verändertes Denken in staatlichen Institutionen, kulturellen Einrichtungen und öffentlich-rechtlichen Sendern. Datenpools, Archive und kuratierte Sammlungen sollen einer möglichst breiten Weiternutzung durch Interessierte zugeführt werden.


Zugänge zum kulturellen Erbe

Konferenz "Zugang gestalten!" am 22.&23. Oktober 2012 im Jüdischen Museum Berlin

Um unser kulturelles Erbe für alle Menschen digital nutzbar zu machen, bedarf es noch erheblicher Anstrengungen. Wie wichtig hierbei zentrale Plattformen sind, zeigt sich etwa anhand der digitalen Bibliothek Europeana, die zum wichtigsten Einstiegsportal für die im Internet bereitgestellten Bestände von Museen, Bibliotheken und Archive werden soll. Um deren Metadaten auch mit Projekten wie Wikipedia zu verknüpfen, hat Wikimedia Deutschland die Entwicklung des Europeana-Lizenzmodells intensiv begleitet und unterstützt auch die Bemühungen, mit der Deutschen Digitalen Bibliothek, einen nationalen Aggregator für kulturelle Einrichtungen zu schaffen. Die Frage, wie Kulturinstitutionen erfolgreich mit Freiwilligen-Communities zusammenarbeiten können, ist eines der wiederkehrenden Kernthemen der Konferenzserie “Zugang gestalten”, die Wikimedia Deutschland in enger Kooperation mit iRights.lab Kultur und dem Jüdischen Museum Berlin veranstaltet.

Dialog mit dem Politikbetrieb

Spätestens mit den öffentlichkeitswirksamen Protesten gegen das internationale Handelsabkommen ACTA haben netzpolitische Themen eine breitere Öffentlichkeit erreicht. Im zum Teil erbittert geführten Streit um ein zeitgemäßes Urheberrecht hat Wikimedia Deutschland immer wieder Position bezogen und z. B. die Einführung eines Leistungsschutzrechts für Presseverlage oder die Verlängerung der Schutzfristen für Tonaufnahmen kritisiert.

Oft lohnt es sich, in Debatten mit Verbänden und Parteien die Perspektive Freien Wissens stark zu machen - gerade weil sie eigener finanzieller Interessen unverdächtig ist. Mit regelmäßig veröffentlichten Wahlprüfsteinen fühlen wir den Parteien auf den Zahn: Wie stehen sie zur Depublizierung öffentlich-rechtlicher Inhalte? Warum wird die Zugänglichkeit von im staatlichen Auftrag geschaffenen Werken systematisch erschwert? Wie kann die Erstellung offener Lehrmaterialien gefördert werden? Weil viele nationale Gesetze durch entsprechende EU-Richtlinien vorgegeben sind, unterstützen wir zudem den Aufbau einer Interessenvertretung für Freies Wissen in Brüssel.

Werben für Freie Inhalte

Kleine Anstöße entfalten oft große Wirkung. So bedurfte es eigentlich nur etwas Überzeugungsarbeit, um das Bundesarchiv im Dezember 2008 für die Freigabe von 80.000 Fotos für das Medienarchiv Wikimedia Commons zu gewinnen.

Manchmal, wie im Fall des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zahlt sich Beharrlichkeit aus: Annähernd drei Jahre gab es immer wieder Gespräche mit Wikimedia Deutschland, bis sämtliche Bedenken gegenüber dem Einsatz von Creative-Commons-Lizenzen hausintern ausgeräumt waren. An den damit verbundenen Nutzungsfreiheiten für Bilder, Videos und Texte gewinnen in der Regel alle Beteiligten: Der Allgemeinheit wird der Zugang zu Inhalten, deren Erstellung sie bereits bezahlt hat, erheblich erleichtert. Die jeweilige öffentliche Einrichtung wiederum profitiert von der besseren Sichtbarkeit ihrer Arbeit, und gemeinnützige Projekte wie Wikipedia erhalten die Möglichkeit, komplexe Sachverhalte anschaulich und attraktiv zu präsentieren. Wie wir in einer Informationsbroschüre dargelegt haben, spricht in der Praxis tatsächlich kaum etwas für restriktive Lizenzmodelle, wenn diese Ziele erreicht werden sollen.

Kulturinteressierte Wikipedianer im evangelischen Kirchenarchiv Kaufbeuren

Kooperationen im Kulturbereich

Immer mehr Kultureinrichtungen möchten mit der Wikipedia und anderen Wikimedia-Projekten zusammenarbeiten.

Kulturkooperationen mit Wikimedia bieten vielfältige Möglichkeiten, um etwa innovative Nutzungen von Museums- und Archivbeständen zu entdecken. Durch die Zusammenarbeit können beispielsweise die Vernetzung von Metadaten mit Wikipedia-Artikeln gefördert und schließlich der digitalen Wissensallmende qualitativ hochwertige Werke hinzuzufügt werden. Besonders attraktiv für Kultureinrichtungen ist das "Wikipedian in Residence"-Programm, da es für sie auch die Chance bietet, die Sichtbarkeit des eigenen Hauses im Netz zu erhöhen.

In Deutschland haben bereits das Deutsche Archäologische Institut (mit Marcus Cyron) und die Stiftung Stadtmuseum Berlin (mit Kilian Kluge) erfolgreich diesen Kooperationsweg beschritten. Die Zusammenarbeit mit dem DAI etwa hat den Weg geebnet für eine weitreichende Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern, Archäologen und Wikipedianern im Bereich der Geodatendarstellung. So konnte beim Symposium “Wikidata trifft Archäologie” im April eine dynamische Limeskarte vorgestellt werden, die es für Jeden jederzeit möglich macht, den geographischen Verlauf des Grenzverlaufs des Römischen Reiches “live” nachzuverfolgen. Hier erhalten sie Praxisbeispiele und wertvolle Tipps, wie Sie in Ihrer eigenen Einrichtung verfahren könnten.


Kulturbegeisterte Wikipedianer vernetzen

Wikipedia-Autoren haben die unterschiedlichsten Interessen, schreiben Texte in ihrem jeweiligen Fachgebiet oder fotografieren. Zuweilen erwächst aus der direkten Ansprache von Museumsmitarbeitern oder Archivaren vor Ort eine Idee, wie man die Sammlungsbestände besser im digitalen Raum nutzbar machen könnte. Aus einer persönlichen Begegnung wird so nicht selten ein konkretes Projekt beherzt umgesetzt. Mittlerweile gibt es sogar bundesweite Vernetzungstreffen, um den gegenseitigen Informationsaustausch zu befördern. Im März 2013 etwa trafen sich 17 Wikipedianer im Allgäu, um sich über die Wikipedia-Aktivitäten im kulturellen Sektor auszutauschen. Bei dieser Gelegenheit ließen sie sich begeistert und fachkundig die im evangelischen Kirchenarchiv in Kaufbeuren schlummernden Schätze zeigen. Solche Treffen wirken mitunter als Initialzündung für Fotosessions, Schreibwerkstätten oder zum Anbringen von QR-Codes an Ausstellungsobjekten, die zu Wikipedia-Artikeln verlinken. Wikimedia Deutschland unterstützt Wikipedia-Autoren und Ehrenamtliche dabei, Workshops, Exkursionen und Camps zu organisieren, um die Zusammenarbeit zwischen Wikipedianern und Kultureinrichtungen nachhaltig zu fördern.


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